14.08.2026
FEP: Jubiläums-Gipfeltreffen der europäischen Parkettbranche
Wie schon in den Vorjahren erfreute sich auch die Generalversammlung 2026 der
FEP, des Verbandes der europäischen Parkettindustrie, hoher Resonanz aus dem Mitgliederkreis. Über 90 Teilnehmer aus ganz Europa waren nach Madrid gereist, um sich auszutauschen, Impulse und Informationen aufzunehmen - und das 70-jährige Jubiläum der Standesorganisation der Branche zu feiern
(Parkett Magazin widmet dem Jubiläum ein Special – mehr dazu ab Seite XX., Anm.d.Redaktion).
FEP-Präsident Lorenzo Onofri beschwor in der spanischen Hauptstadt erneut den Schulterschluss und gemeinsames Engagement für Parkett: „Die Zukunft des europäischen Parketts wird nicht allein von äußeren Umständen bestimmt“, sagte der Stile-Geschäftsführer, „sie wird von unserer Fähigkeit bestimmt, zusammenzuarbeiten, unsere Werte zu verteidigen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten, anstatt nur auf sie zu reagieren.“ Eindringlich wandte er sich an die Anwesenden: „Nutzen wir daher dieses Jubiläum nicht nur, um die Errungenschaften der vergangenen 70 Jahre zu feiern, sondern auch, um unser Engagement für die nächsten 70 Jahre zu bekräftigen.“
FEP lässt mögliche Umgehung chinesischer Strafzölle untersuchen
Geschäftsführerin Isabelle Brose informierte über die Aktivitäten der FEP seit der letzten Generalversammlung. Nachdem der Verband bei der EU die Einführung von Antidumpingzöllen auf den Import von chinesischem Mehrschichtparkett durchgesetzt hat, die seit Juli 2025 gelten, hat er unlängst einen Antrag auf Untersuchung möglicher Umgehungen dieser Strafzölle gestellt. Die FEP beruft sich dabei auf „überzeugende Beweise, die belegen, dass chinesische Hersteller bei ihren Exporten die Antidumpingzölle systematisch unterwandert haben, indem sie die Abgabepreise für EU-Kunden drastisch gesenkt hätten – „eine Entwicklung, die in krassem Widerspruch zu steigenden Materialkosten, Seefrachtraten und der aktuellen Währungsdynamik steht“. Die FEP spricht von einem „erheblichen, anhaltenden Schaden“, den diese Niedrigpreispolitik verursacht habe und fordert entschlossenes Vorgehen von der EU, um wieder Schutz für die europäische Parkettindustrie herzustellen.
Für zusätzliche Unsicherheiten im internationalen Handel sorgten auch die immer wieder aufkeimenden Spannungen zwischen der EU und den USA. Die Herausforderungen für die Branche halten also an: geopolitische Unsicherheiten, hohe Energie- und Rohstoffkosten, Wettbewerbsdruck einerseits durch Billigimporte aus China wie auch aus neuen Herkunftsländern, anderseits durch Konkurrenzprodukte wie vor allem Designbeläge und Laminat.
Europäische Produktion mit Zuwächsen, Nachfrage stagniert noch
Ein erster Lichtschimmer zeigt sich auf dem europäischen Parkettmarkt: Nach ersten Verlusten 2022, quasi dem freien Fall 2023 und weiteren Einbußen 2024 zeigte er 2025 erste Anzeichen einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Dabei startete das Jahr vielversprechend, doch verlor die positive Entwicklung nach dem Sommer deutlich an Dynamik. Während sich der Verbrauch mit einem minimalen Minus von 1 % weitgehend auf dem Vorjahresniveau hielt, zog die Produktion in den FEP-Ländern wieder an, um knapp 5,9 % auf fast 59 Mio. m
2. Dazu addieren sich geschätzte 7,2 Mio. m
2 außerhalb des FEP-Gebiets, so dass sich in der Summe ein Produktionswert von 66,2 Mio. m
2 ergibt, der den Vorjahreswert um 6,2 % übertrifft.
Allerdings zeigen sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern: In manchen legte die Produktion zweistellig zu, zum Teil deutlich zweistellig, zum Beispiel in Deutschland, Polen, Österreich, der Schweiz, Italien und Litauen - das neu in die FEP-Zahlen aufgenommen wurde - während sie in Kroatien, einem der klassischen Fertigungsländer, gesunken ist, ebenso in Portugal und in Frankreich gar regelrecht einbrach.
Als Treiber der Zuwächse nennt die FEP geringere China-Importe infolge der Antidumpingzölle und eine leichte Belebung der Bau- und Renovierungsaktivitäten. Aber: Die Erholung sei fragil, warnt sie auch. Denn das allgemeine Umfeld bleibe herausfordernd und unsicher, geprägt von hohen Rohstoff- und Energiekosten sowie begrenzter Markttransparenz. Hinzu kommt der Druck durch Billigimporte - nicht mehr nur aus China, sondern auch zunehmend aus anderen asiatischen Ländern.
Mehrschichtparkett konnte seinen Anteil leicht erhöhen auf 85,2 %, was vor allem zu Lasten von Massivparkett ging (Anteil 12,8 %) Mosaikparkett hielt sich stabil auf niedrigem Niveau (2 %).
Die Absatzentwicklung konnte zwar bei weitem nicht mit den Produktionszuwächsen mithalten, doch zumindest ließ sich ein weiterer Verfall aufhalten, sie schrammte mit 60,2 Mio. m
2 knapp am Vorjahresniveau vorbei. Auch hier ist das länderindividuelle Bild uneinheitlich; vor allem in kleineren Märkten wie Belgien, Tschechien, Rumänien, Portugal und Estland hat die Nachfrage angezogen, auch Deutschland und Spanien melden ein kleines Plus. Unter zweistelligen Verlusten litten hingegen Frankreich und der Nordische Cluster mit Dänemark, Norwegen und Finnland.
Eine klare Prognose lässt sich aus den Verläufen nicht ableiten. Umso weniger, als wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten infolge der Irankrise erste Anzeichen einer Erholung, die sich Anfang des Jahres andeutete, überschatten. In Folge der Energie-, Transport- und Rohstoffverteuerungen werden Projekte überprüft oder verschoben. Angesichts dieser anhaltenden Herausforderungen ist der europäische Parkettmarkt von Vorsicht, begrenzter Vorhersehbarkeit und weitgehend stagnierenden Perspektiven geprägt. Mit einer durchgreifenden Trendwende wird nicht vor 2027 gerechnet. Vielleicht kann die FEP auf der nächsten, dann 71. Generalversammlung und dem 51. Parkettkongress, vom bis 10. bis 11. Juni im kroatischen Split davon berichten.
FEP
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Gründung: 1956
Geschäftsführung: Isabelle Brose
Vorstand: Vorsitz Lorenzo Onofri (Stile), Filip Galekovic (PPS Galekovic), Patrick Hardy (Bauwerk Group), Javier Hervàs (MH Hervàs), Jean-Marc Legrand (Berry Alloc) Johan Magnusson (Kährs), Wojcieh Michalowski (Barlinek), Gerold Schmidt (Hamberger Flooring), Josef Stoppacher (Weitzer Parkett), Niclas Wullt (Tarkett)
Mitglieder: 91 aus 23 Ländern, davon 58 Hersteller, 25 Zulieferer, 8 Landesverbände