Fussböden Zehetmair GmbH - Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb 2025
Fussböden Zehetmair, Miesbach
„Wenn man immer ausbildet, hat man eine gute Reputation bei den Jungen“
Seit weit über 40 Jahren bildet Fussböden Zehetmair durchgängig aus – höchst erfolgreich, wie zum einen etliche Kammer- und Bundessieger sowie Europameister belegen und zum anderen die geringe Fluktuation: „99 % unserer Mitarbeiter sind Eigengewächse.“ Das Erfolgsrezept, das auch die Jury überzeugt hat: „Das Team muss in sich funktionieren, es muss Spaß machen.“
Die Klagen über mangelnde Fachkräfte will Bernhard Zehetmair nicht so einfach stehen lassen: „Wer jammert, muss ausbilden“, sagt der Geschäftsführer des gleichnamigen Meisterbetriebes im idyllischen Leitzachtal nahe Miesbach am Tegernsee und Obermeister der Innung Parkett und Fußbodentechnik Oberbayern und München bestimmt – und macht das selber erfolgreich vor. Seit 1976 gibt es das Familienunternehmen, seit 1982 wird ausgebildet und zwar durchgängig. „99 % unserer Leute sind Eigengewächse, das heißt, wir haben sehr wenig Fluktuation“ bemerkt Zehetmair nicht ohne Stolz. „Das spricht natürlich auch dafür, dass das Team in sich gut funktioniert. Die Gemeinschaft muss passen. Ich glaube, das ist heute wichtiger als allein das Geld: Es muss Spaß machen.“
Altersmäßig gut durchgestaffelt
Als weiteren Pluspunkt der kontinuierlichen Ausbildungstätigkeit sieht er: „Wir sind altersmäßig besser durchgestaffelt. Davon profitieren alle. Die Älteren und Jüngeren lernen voneinander.“ Das gilt übrigens genauso für ihn und seinen Sohn Thomas, ebenfalls Parkettlegermeister, der wie auch sein Vater die kaufmännische Aufstiegsfortbildung zum Geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung absolviert hat. „Man soll den Schwung der Jungen nicht immer ausbremsen, sondern sie auch mal machen lassen“, wirbt er für Vertrauen in die Jüngeren und die generationenübergreifende Zusammenarbeit, die für ihn schon mit seinem Vater funktioniert hat – und nun genauso mit seinem Sohn.
„Man muss vielen eine Chance geben“
Aktuell beschäftigt Fussböden Zehetmair 25 Mitarbeiter und drei Auszubildende, alle zum Parkettleger. Kaufleute sind auch mal dabei, aber nur sporadisch. Die jungen Talente sind zumeist Einheimische aus der Region. Einer ist der Sohn eines Kollegen und kehrt nach der Ausbildung nach Hause zurück. Das macht Bernhard Zehetmair öfter und gern, denn „ich kann ja nicht alle Azubis übernehmen, sonst würde meine Firma explodieren.“ Ein anderer kommt aus dem lokalen Kinderdorf und sei hoch motiviert, wie sein Chef zufrieden registriert. „Man muss vielen eine Chance geben“, ist seine Erfahrung. „Wir haben auch mal einen Azubi gehabt, der die Malerlehre abgebrochen hat, weil sie ihm nicht gefiel und bei uns hat er richtig Gas gegeben, Ehrgeiz entwickelt, wurde Bundessieger und hat sich später selbstständig gemacht.“
„Die meisten Azubis ziehen wir aus dem Praktikum“
Probleme mit der Nachwuchs-Akquise kennt Zehetmair nicht – auch das gehört zu den Früchten, die fortwährende Ausbildung trägt: „Wenn man immer ausbildet, hat man draußen eine gute Reputation bei den Jungen.“ Weil man als Firma bekannt ist: Die Azubis posten bei Social Media, erzählen ihren Freunden von der coolen Ausbildung, den netten Kollegen, gemeinsamem Grillen und Ausflügen – und rekrutieren somit praktisch selber ihre Nachfolger. Selber werbe der Betrieb bei Social Media gar nicht viel, wie es andere machten, räumt er ein. Für ihn sind vor allem Schulpraktika ein probates Mittel, um neue Azubis zu gewinnen. „Weil sie erleben, wie es bei uns abläuft und unsere Leute kennenlernen, vor allem die jüngere Generation. Das ist viel persönlicher als über Social Media“ – und die Erfolgsquote ist hoch: „Die meisten Azubis ziehen wir aus dem Praktikum“. Praktika oder „Tage des Handwerks“,bei denen man in die verschiedenen Gewerke hineinschnuppern kann, wünscht er sich häufiger, vor allem an weiterführenden Schulen. „Gerade Gymnasien meinen oft, das Handwerk sei für ihre Schüler weniger interessant, dabei sind viele Abiturienten unter unseren Azubis.“
Hochwertiges Sortiment: Im Parkettbereich – Anteil 70 % – wird die komplette Palette angeboten, einschließlich Sonderanfertigungen, aber keine dünnen Nutzschichten.
Gute Erfahrungen hat Zehetmair auch mit „Speed-Dating“ gemacht, bei dem sich Handwerksbetriebe in 5 Minuten den Schülern vorstellen – und umgekehrt. Im Anschluss bewerten beide Seiten das Gespräch und das wird dann abgeglichen. Weniger hält er von der Azubi-Messe, die die IHK initiiert. Da würden die Klassen einfach nur durchgeschoben.“ Sind ihm gute Schulnoten bei einem Azubi-Aspiranten wichtig? Weniger, „interessant ist eher der Begleit-Text vom Lehrer.“
Hierarchischer Führungsstil, aber alle sind per Du
Die Jugendlichen, oft erst 15, 16, 17 Jahre alt, kommen bei Zehetmairs in ein familiäres Umfeld. Alle sind per Du, was in Bayern schneller fällt als anderswo. Die Hierarchie ist flach, aber „einer muss die Leitperson sein und auch die Verantwortung übernehmen“ sagt Zehetmair ohne falsche Bescheidenheit und zieht einen Vergleich mit dem „Meister“ in chinesischen Kampfsportarten, dessen Wort gilt und ohne Diskussion befolgt wird. Klare Ansagen seien manchmal auch wichtig, denn „oftmals sind wir die zweite Erziehungsinstanz“, wobei das Problem eigentlich nicht die Jungen seien, sondern eher ihre Eltern, die sie verhätschelt hätten. Für die Ausbildung gilt das Prinzip „Learning by doing“, denn „wenn ich einen Lehrling nur zusammenkehre lasse, lernt er nichts.“ Und, ganz pragmatisch: „Je mehr ein Lehrling lernt, desto besser kann er den Gesellen unterstützen.“
Dabei ist Zehetmair nicht nur eine Weiterentwicklung in fachlicher Hinsicht wichtig, sondern auch in menschlicher, etwa ein respektvoller Umgang mit Kollegen und Kunden. „Wir arbeiten viel im High End-Geschäft, da ist der Anspruch in allen Bereichen sehr hoch.“ Dafür verzichtet er auf Aufträge im klassischen Objekt, „denn da verrohen die Leute.“
Mehr Spaß am Job – weniger Krankentage
Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt im Team sind eng und werden auch gefördert durch gemeinsames Grillen oder andere Events. Laut einer Umfrage seien dies die wichtigsten Kriterien, berichtet Zehetmair, noch vor dem Monetären. Wobei: auch hier lässt er sich nicht lumpen und zahlt übertariflich. Selbstverständlich werden die Fahrtkosten zur Berufsschule übernommen, ein Auszubildender mit schlechter Verkehrsanbindung von zuhause zur Firma genießt sogar einen Taxi-Service. Außerdem zahlt der Betrieb die steuerfreien Zuschläge und bucht monatlich einen bestimmten Betrag auf die Oberland-Card, mit der man regional einkaufen oder essen gehen kann.
Seit 1982 bildet Fussböden Zehetmair durchgängig aus – etliche Kammer- und Bundessieger, Vize-Europameister und Europameister haben dort gelernt.
Bei Lieferantenbesuchen blicken die Nachwuchskräfte hinter die Kulissen und werden auch mal eine Woche ins Azubicamp geschickt. Das koste den Betrieb zwar ein paar Tage Arbeitszeit, aber bereite den Jungen Spaß und sie lernten etwas dabei. „Wenn sie krank sind, fehlen sie auch“, so Zehetmair lakonisch, der überzeugt ist, dass der Krankenstand geringer ist, wenn sich die Mitarbeiter im Team wohlfühlen und Freude an der Arbeit haben.
Solides Fundament mit vielfältigen Perspektiven
Der Parkettlegergeselle oder -meister muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Bernhard Zehetmair wirbt explizit für Weiterbildung. „Wenn manche fragen, wozu sie den Meister brauchen, sage ich: der Meister ist sogar noch zu wenig, mach noch den Betriebswirt dazu (Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung, HwO, Anm.d. Redaktion), dann kannst Du die kaufmännische Seite noch besser abdecken.“ Ein anschließendes Studium, etwa an der TH Rosenheim, sei ebenfalls eine Option.
„Die handwerkliche Ausbildung ist das Fundament, das immer bleibt. Und eine Super-Basis auch für leitende Positionen. Wenn jemand einen, Gesellen- oder Meisterbrief hat, kann man sicher sein, dass er nicht nur Theoretiker ist, sondern weiß, wovon er spricht.“
Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb des Jahres 2025