17.09.2026
Holzindustrie: Baunaher Bereich stabilisiert sich
Hohe Standortkosten, die Baukrise und die Konsumzurückhaltung setzen der Holz und Kunststoffe verarbeitenden Industrie in Deutschland weiter zu. Laut dem Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie, HDH, hat der Umsatz der Holzindustrie-Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten per 30. Juni 2026 leicht um 0,4 % auf knapp 18 Mrd. EUR nachgegeben. Die Zahl der Unternehmen ging um 4 %, die der Beschäftigten um 3,5 % zurück. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat die Branche damit über 20.000 Arbeitsplätze verloren. Das sind fast 15 %, größtenteils in der Möbelindustrie. Das geht aus Zahlen des statistischen Bundesamtes hervor.
Im baunahen Bereich zeichnet sich dagegen eine Stabilisierung ab. Die Umsätze lagen im ersten Halbjahr nur noch 0,3 % unter dem Vorjahresniveau, in den vergangenen Monaten zeigte die Entwicklung bereits nach oben. Dazu passt die Belebung bei den Baugenehmigungen. Bei den Fertigstellungen ist die Trendwende allerdings noch nicht angekommen. Die Rohholz verarbeitenden Industrien stehen hingegen trotz leichter Umsatzzuwächse aufgrund gestiegener Rohstoffpreise und einer anhaltend schwierigen Absatzsituation weiter unter erheblichem Druck.
„Die wirtschaftliche Lage bleibt für unsere Branchen äußerst herausfordernd“, erklärt HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge. „Getragen wird das für 2026 erwartete Wirtschaftswachstum in Deutschland fast ausschließlich von gestiegenen öffentlichen Investitionen.“ Die private Bautätigkeit und der private Konsum hingegen blieben schwach. Genau davon hänge die Holz- und Kunststoffindustrie überdurchschnittlich ab. Sollten sich Marktsituation und Produktionsbedingungen nicht bessern, drohten weitere Betriebsschließungen. „Die Bundesregierung ist mit ersten Reformschritten auf dem richtigen Weg, aber jetzt kommt es darauf an, die Standortkosten zu verringern.“
Zusätzlich verschärfen anhaltende internationale Zoll- und Handelskonflikte den Wettbewerbsdruck insbesondere im Parkett- und Möbelbereich. Der Importdruck aus Fernost bleibt hoch. „Diese Importe werden häufig unter deutlich niedrigeren Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards produziert. Mit diesen Bedingungen können heimische Produzenten kaum mithalten.“